Truck Race Europameisterschaft Le Mans Samstag
13.10.2012
Ich fahre in Le Mans. Das muss ich so betonen, da ich tatsächlich hier noch nie ein Rennen gefahren bin. Ein, zweimal stand ich kurz davor, an den berühmten 24h von Le Mans auf einem Prototypen teilzunehmen, aber nach 26 Jahren Racing ist dies tatsächlich mein erstes mal hier.
Das Wetter spielt allerdings nicht mit. Das kann man sehen wie mal will. Denn es regnet den ganzen Vormittag. Ich kann nicht behaupten, dass das richtig Spass macht, obwohl es für das Ergebnis (siehe Nürburgring) sicher besser wäre. So läuft es in den nassen Trainings auch sehr ordentlich, obwohl ich mir erstmal ein wenig Streckenkenntnis aneignen muss. Im Zeittraining ist die Strecke dann abgetrocknet und das bedeutet den 18. Startplatz. Allerdings ist es in meinem Bereich extrem eng und bis zur letzten Runde liege ich noch auf dem 16. trotz starker Gaststarter aus England und Deutschland (Gerd Körber).
Im Rennen dann ist es zum ersten Mal an diesem Tag fast trocken. Für mich heisst das also, die für mich neue Strecke während des Rennens kennenlernen. Suboptimal. Aber dann läuft es besser als gedacht und ich kann mir meine normalen Dauerfeinde vom Hals halten. Bis zur vorletzten Runde, als mich Jose Bermejo überholt. Als der sich aber in der darauffolgenden Runde verbremst, kommt meine Chance den Platz zurückzuerobern. Leider hat Jose wie immer sein Hirn in der Box abgegeben und kürzt ungestüm durch die Schikane ab, um mir direkt aufs Vorderrad zu fahren. Ich komme mit weidwundem Auto (und vor Jose) ins Ziel, verliere aber noch einen Platz wegen meiner krummen Vorderachse. Immerhin 15. , eine gute Ausgangsposition für den zweiten Durchlauf. Falls, tja falls ich überhaupt starten kann. Denn bei genauerer Diagnose ist die Vorderachse nicht nur krumm, sondern seeehr krumm. Aber die Mechaniker lassen in Rallyemechaniker Manier die Fingerchen fliegen und bringen mich zum zweiten Lauf eine Minute vor dem Schliessen der Boxengasse wieder auf die Piste. Das war knapp, aber erfolgreich. Ich bin mehr als zufrieden mit meiner Truppe....
Im Rennen habe ich ein paar schöne fights und kämpfe rundenlang mit Rene Reinert. Am Ende wird es mit viel hin und her wieder ein 15. Rang. Mit dem können wir angesichts der Tatsache, dass das Lenkrad noch ziemlich schief steht, mit anderen Worten, die Vorderachse noch nicht ganz wieder steht, wie sie sollte, gut leben, zumal nach Abzug der nicht punktenden Gaststarter ein 12. Rang in der EM herauskommt. Punktenähe. Wenn morgen alles gut läuft, könnte es endlich nochmal was werden!
Das absolute Highlight des Tages aber ist, dass Jochen Hahn bereits im ersten Lauf seinen Europameisterschaftstitel klarmachen kann. Albacete, der ihm noch hätte gefährlich werden können, versenkt seine Chance in einem Kiesbett. Das freut uns als Landesgenossen natürlich ganz besonders! Er hat durch die Saison definitiv die konstant beste Leistung gezeigt und hat seinen Titel verdient verteidigt. Grossartig! Im zweiten Rennen ist er am Ende so entspannt, dass er sogar Markus Östereich etwas helfen kann. So kann man es zumindest deuten, als er `Öse` relativ einfach passieren lässt. Für den Renault Piloten geht es in der Meisterschaft immerhin noch um Platz drei und darum gibt es einen erbitterten Kampf mit seinem Teamkollegen Adam Lacko. Im Moment hat Markus die Nase mit knappen fünf Punkten vorn.
Während wir hier spätabends im Pressezentrum sitzen, ist auf der Piste noch die Hölle los. Le Mans ist vom Gesamtprogramm sicher die zweitbeste Veranstaltung hinter Nürburgring. Viele Zuschauer, trotz miesem Wetter (auch da gibt es Parallelen zum Ring) und viel Show drumherum. Tagsüber, aber auch bis mitten in die Nacht hinein. Es ist 22 Uhr und die Haupttribüne ist knackevoll. Showtrucks, Driftshow, Feuerwerk...Ende offen.
Für uns noch viel Arbeit in dieser Nacht. Bis Morgen
Ellen