Wir sind wieder zurück und haben den Temperatursturz von immerhin 30 Grad noch nicht ganz verkraftet. Der jetlag ist fröhlich bei der Sache (deshalb sitze ich auch um 6 Uhr morgens vor dem Computer und schreibe diesen blogeintrag)..und ganz allgemein hat einen der Alltag innerhalb eines Tages wieder. Super.
Ich habe an unserem letzten freien Tag in Lima, der Hauptstadt Perus, des Zielortes der diesjährigen Dakar, noch ein paar Touristenfotos geschossen, dich ich hiermit einstellen möchte. Ich hatte es ja bereits irgendwo geschrieben. Ich finde Lima als Stadt total spannend und überraschend. Überrschend, da man nach der völliger Einöde in den Teilen Perus, die wir mit der Dakar bereist haben eine so funktionierende Grossstadt nicht erwartet. Lima ist schön, in manchen Ecken ein bisschen disneymässig, aber im Gesamten fast schöner als Buenos Aires oder Santiago de Chile. Ich persönlich würde mich freuen, wenn der Start der Dakar 2013 hier stattfinden würde.
Die Veränderung beginnt bereits 100 Kilometer vor Lima. Zwar gibt es immer noch abgeuzelte Restaurants und nicht befestigte Seitenstrassen, aber schon hier sieht man plötzlich mehr Farben und mehr Angebot.
Der Rezeptionist unseres Hotels hat uns im Übrigen voller Überzeugung erzählt, dass die Dakar im kommenden Jahr folgende Route haben wird:
Start in Lima dann nach Bolivien Restday in Santiago de Chile und Ziel in Argentinien
Ich hätte nichts dagegen! :-)
PS: Schon bald gibt es an dieser Stelle Neues zu berichten. Einen Vertrag für die neue Saison gibt es bereits. Nur soviel, neben den Offroad Akrivitäten geht es auch wieder zurück auf die Rundstrecke. Wohin genau? Dranbleiben!
Ist die Dakar ein Fulltime Job oder organisieren sie auch noch andere Events?
Die Dakar ist absolut ein Ganzjahres Job. Wir reisen die ganze Zeit. Mindestens drei Monate im Jahr um die Strecken zu erkunden, Gespräche mit den Regierungen und Provinzregierungen zu führen und die Logistik vorzubereiten.
Ich selbst bin bei diesen Vorbesichtigungen nur noch bei den neuen Etappen dabei. Ich vertraue da sehr auf meine Truppe im Team, die die Strecken aussuchen.
Grundsätzlich arbeiten wir das Jahr über immer an drei Dakars gleichzeitig. An der Aufarbeitung der vergangenen, den Nachbesprechungen mit den einzelnen Ländern etc. , dann natürlich an der aktuellen Dakar und ausserdem beschäftigen wir uns zwei Jahre vorher schon mit der übernächsten Veranstaltung.
Waren sie selbst ein racer, bevor sie für den Veranstalter ASO die Dakar organisierten?
Nein, ich bevorzuge die ruhigen Sportarten, wie Segeln oder Klettern.
Und wie glauben sie dann, die Rennfahrer verstehen zu können?
Ich versuche natürlich immer mich in die Rennfahrer hineinzuversetzen und wir versuchen als Team eine Dakar zu kreieren, die eine grosse Herausforderung ist, die aber auch die Balance behält zwischen den Möglichkeiten der Amateure und der Profis.
Sind sie in Reglementsfragen eingebunden?
Nur vor der Dakar. Wir schreiben ein Reglement und sichern die Umsetzung auf der Veranstaltung. Das Reglement wird von der FFSA das ist die oberste französische Sportbehörde abgesegnet und das wars dann für uns. In einem Fall wie bei Robby Gordon, bei dem es eventuell zu Ungereimtheiten gekommen ist, entscheidet eine Jury, der wir nicht angehören.
Was ist ihre Passion auf der Dakar?
Meine Leidenschaft ist es ein grosses Team zu führen. Die Richtung vorzugeben. Ich habe dabei das Bild eines Kletterers mit seinem Kunden im Kopf. Man ist verantwortlich und muss ein guter Guide sein, damit man als Team den Gipfel sicher erreicht.
Meine grösste Genugtuung ist die Zeit auf dem Podium im Ziel, wenn alle glücklich sind. Das ist ein sehr emotionaler Moment für die Fahrer und Beifahrer und meine gesamte Crew.
Wir haben bei dieser Dakar so etwas ähnliches wie eine Marathonetappe gesehen, bei der die Motorradfahrer eine Nacht ohne richtigen Service auskommen mussten, wir es das auch für die Autos wieder geben?
Ganz bestimmt nicht. Ich halte die Marathonetappe für eine Verirrung der alten Dakar. Wir haben damit doch meist nur den Amateuren geschadet und es mussten unverhältnismässig viele von ihnen aufgeben, insofern wird es eine echte Marathonetappe nicht so schnell wieder geben.
Schlafen sie eigentlich im Bivak oder im Hotel?
Immer im Bivak.
Ihre Beurteilung der diesjährigen Dakar?
Es war sicher die schwerste die wir jemals in Südamerika veranstaltet haben.
Wird Brasilien ein Thema in der Zukunft sein?
Nein, die haben mit Fussball und anderem so viel um die Ohren, da ist momentan nicht genügend Geld vorhanden um mit und die Dakar zu stemmen. Wir hatten zwar Gespräche mit der Politik, aber die waren nicht erfolgreich. Wir haben im nächsten Jahr mit Santiago de Chile eine würdige Stadt als Zielort gewählt. Ob der Start in Lima stattfindet ist allerdings noch nicht ganz klar. Auf jeden Fall heissen die austragenden Länder wieder Argentinien, Chile und Peru. Never change a winnig combination.
Es ist vollbracht. Sven Quandts Truppe holt mit Peterhansel und MINI endlich den lang ersehnten Dakar Sieg. Es sei ihm gegönnt. Die grösste und professionellste Truppe der Dakar holt damit für Stephane Peterhansel den 11. Pokal. Sicher hatte die MINI Mannschaft nicht mit einer so starken Gegenwehr in Form der neuen Toyota Pickups gerechnet und auch die Leistung von Robby Gordons Hummer erstaunte und verärgerte die Mannen um Quandt für eine lange Weile während der Rallye. Aber am Ende ist alles gut und Peterhansel, das Dakar Phänomen, schlägt mit einem schier unkaputtbaren MINI wieder zu.
Nachdem Matthias Kahle im Buggy recht vorzeitig die Heimreise antreten musste, waren es auf dieser Dakar die Beifahrer, die aus deutscher Sicht die Lorbeeren gesammelt haben. Dirk von Zitzewitz und Andy Schulz navigieren ihre Fahrer auf die Gesamtplätze drei und vier.
Die Privatiers Stephan Schott auf BMW und Stefanie Manns im Mc Rae Buggy setzten zumindest highlights, wobei Stephan mit seinem Dauerbeifahrer Holm Schmidt, mit Platz 11 am drittletzten Tag sein persönlich bestes Etappenergebnis einfährt. Er hat bei nunmehr vier Dakars eine immer noch 100%ige Ankunftsquote und wird nach einem spektakulären und unverschuldeten Crash mit einem Iveco Truck gestern in den Dünen , gesamt noch 31. Besonders die Zielankunft von Stefanie Manns freut alle, denn sie musste sich bei ihrer ersten Dakar mit allen nur möglichen Widrigkeiten herumschlagen. Schlussendlich ist sie auf Position 64 der einzige Mc Rae Buggy im Ziel .
Ausnahmsweise an dieser Stelle auch ein Wort zu den Motorradfahrern, denn Daniel Schröder, der Sohn von Jürgen (an der Seite von Alfi Kox, dessen Volvo bereits am ersten Tag out ist) wird bei den Bikes Gesamt 20. Eine Superstarke Leistung!
Thomas Wallenwein, der diese Dakar als Servicetruck in Wertung für Quandt bestreitet, hat auf der vorletzten Etappe viel Arbeit an `Schottis` Auto kann aber ansonsten wegen chronischer Unterbeschäftigung sein Rennen fahren. Nachdem die Truck-Sieghoffnungen von Franz Echter und seinem Team schon früh an einer gebrochenen Vorderachse gescheitert sind, bleiben aus deutscher Sicht mit Klaus Bäuerle und Wallenwein nur noch Hilfstrucks im Rennen. Keine Siegchancen also. Die beiden sind mit Platz 38 und 58 zufrieden.
Für uns und alle anderen ist die Ankunft in Lima ein Erlebnis. Tausende und abertausende säumen die Strassen. Ich erinnere mich an 2009, als die Dakar das erste Mal in Buenos Aires gastiert. Da war es genauso. Schon rund 100 (!!) Kilometer vor Lima geht’s los. Menschenmassen an den Strassen. Unglaublich nur, dass sich das in den Strassen der Hauptstadt dann noch steigert. Fröhlichkeit pur, alle heissen die Dakar willkommen.
Nach den doch recht kargen Tagen in Peru ist Lima eine echte Überraschung. Sauber, mit gepflegten Parks, gut angezogenen Menschen und nach meinem Eindruck sogar viel schöner als Buenos Aires. Schade nur, dass wir Morgen schon nach Hause fliegen, da es keinen späteren Flieger gab. Ein bisschen touristisches sightseeing hätte Spass gemacht. So bleibt uns der morgige Tag und dann ab nach Hause.
Morgen gibt es auf meiner Website dann noch ein Interview mit Etienne Lavigne dem Renndirektor zum Abschluss und dann freue ich mich auf die neue Saison. Was ich fahren werde? Noch ein kleines Geheimnis, aber das wird bald gelüftet. Versprochen.
Viele Güsse Ellen PS: vielen Dank für bisher 120.000 Zugriffe auf meine Seite während der Dakar. Ich freu mich sehr darüber.
Es ist fast vollbracht für Dauersieger Peterhansel. Nachdem er in den vergangenen vier Jahren eine `Volkswagen Durststrecke` überwinden musste, in der ihm maximal vierte Pätze blieben, wird er nun seine Chance ergreifen und den Dakarsieg einfahren. Zumindest sieht es heute danach aus, denn von gas rausnehmen oder langsam machen keine Spur. Er gewinnt die stage und lässt die Verfolger seinen Staub schlucken.
Gilles de Villier beeindruckt weiterhin und wird zweiter. Der Mann will auf`s Podium und da nur noch 29 Kilometer in Wertung zu fahren sind, könnte das auch funktionieren.Doch Achtung, man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Immerhin warten morgen noch 12 Kilometer Dünen und damit ist es nicht so wie bei der Tour de France, bei der es am Ende keine Verschiebung mehr in der Reihenfolge gibt. Auch morgen ist schnell nochmal eine halbe Stunde verloren, allerdings würde das dann eher die Plätze vier bis sieben betreffen, an der Spitze bliebe alles beim Alten.
Auffällig ist aus meiner Sicht, dass wir unter den ersten Vier, die Beifahrer mitgerechnet, sieben (!!) Dakar Gewinner finden. Aus deutscher Sicht die Co Piloten Dirk von Zitzewitz und Andy Schultz, momentan auf drei und vier.Wenn das nicht zeigt, wie sehr sich auf dieser Rallye Erfahrung auszahlt…
Das Bivak empfängt uns heute ähnlich staubig wie gestern. Immer am späten Nachmittag kommt hier in den Gegend ein unangenehmer Wind auf. Unangenehm, weil er den feinen Sand aufwirbelt und es permanent zwischen den Zähnen knirscht. Bei Aussentemperaturen von immer noch 34 Grad nicht unbedingt eine Freude. Es ist sogar so sandig, dass sich einige LKW festfahren.Den Peruanern ist`s egal und sie präsentieren sich in einem eigens aufgebauten Zelt trotzdem in Feierlaune.
Wenn ich mir die Bilder unsere Fahrt angucke, dann sieht das hier alles ziemlich unterentwickelt aus und natürlich fehlt es an Vielem. (zB an einer schnellen Internetverbindung….) aber wenn man genauer in die dunklen (und kühlen) Hütten reinguckt, dann entdeckt man, dass es alles gibt, was man zum Leben braucht. Jeder hat hier seinen eigenen kleinen Laden und in den grösseren Städten sind diese Läden sogar nach Thema geordnet. Dann gibt es Autolackierereien in der einen Strasse und in der nächsten die Autoglaser usw, usw. Sicher ist Peru von den drei Ländern die wir mit der Dakar bereisen das ärmste Land, aber eines haben die Einwohner mit den Argentinier und Chilenen gemein. Es ist ein unheimlich freundliches Volk. Das ist fast schon berührend.
Die Dakar in Peru bleibt staubig. Auf der Strecke und im Bivak Staub, Staub, Staub. Egal es kommt dadurch ja quasi sowas wie Afrika Dakar Feeling auf. Welcome to Mauretania.
Tatsächlich fordert die Wüste heute wieder ihren Tribut und einige fallen aus dem Rennen, selbst aus den Top 10 verabschiedet sich noch einer der Ex Werksmitsubishi . Ansonsten an der Spitze soweit alles klar für Stephane Peterhansel auf dem Weg zu seinem 11. Dakarsieg. Er buddelt sich zwar kräftig in einem Sandloch ein, kommt aber trotzdem nicht in Bedrängnis, was seine Gesamtführung angeht.
Stefanie Manns auf ihrem ersten Dakarabenteuer holt sich gestern und heute direkt mal die volle Dosis von allem und kommt nach Wasserpumpenschaden und Abschleppaktion heute morgen um fünf im Bivak an. Tanken, Wasser nachfüllen, weiter geht`s. Bin gespannt wie das werte Befinden heute Abend sein wird. Immerhin ist sie die einzige ihres Teams, die noch im Rennen ist. Die beiden anderen Mc RaeBuggies sind out.
Wir haben heute wirklich viel von Peru mitgekriegt, rund 550 Kilometer waren wirim Land unterwegs. Das Ganze dauerte aber fast sieben Stunden, da wir immer wieder hinter extrem langsamen LKW festhingen; die Autoqualität liegt hier im Schnitt ungefähr auf Argentinien Niveau….nur in Chile sieht man neuere Semester.Dort dann auch Jugenliche mit Tuningambitionen en masse, aber hier gibt’s eigentlich in der Hauptsache Zwiebeltransporter, Mopedtaxis und Klapperkarren.
Morgen gibt`s eine kürzere Verbindung für uns und das heisst, dass essich auch wieder lohnt, an die Rennstrecke zu fahren und sich in den Staub zu stellen.
Es geht nach Peru. Der Grenzübertritt ist völlig problemlos, da wir alle Zollformalitäten bereits am Abend vorher im Bivak erledigen konnten. Für alle Dakarteilnehmer ist eine Extraspur auf Schotter eingerichtet und somit dauert das Ganze eine Minute, wenn es hoch kommt. Immerhin werden die Presseleute gesondert behandelt, wir brauchen tatsächlich ein Arbeitsvisum für Peru. Es ist also offiziell….Frau Lohr ist zum Arbeiten hier, nur falls jemand nach Ansicht des gestrigen Videoblogs dachte wir wären hier auf einer Urlaubstour…
Die Peruaner sind happy, dass ihr Land durch die Dakar in den Focus gerät. Das merkt man an jeder Ecke. Freundliche Menschen, freie Fahrt an den Mautstationen, eine echte Showbühne im Bivak und fröhliche Gesichter bei allen Gelegenheiten.
Apropos Bivak,mit dem heutigen Tag gibt es eine Wiedergeburt der sogenannten Marathonetappe. Allerdings nur für die Motorräder und Quads. Das heisst, das sie in einem anderen Bivak übernachten als ihre Servicefahrzeuge. Man macht für einen Abend und eine Nacht alles alleine. Die meisten haben einen kleinen Schlafsack dabei und schlafen direkt neben ihrem Motorrad. Das ist alles zwar echt anstrengend, da man selbst tanken muss etc. aber entspricht der ursprünglichen Ausführung der Rallye Dakar. Nicht umsonst wurde sie zur härtesten Rallye der Welt. Vor gar nicht so langer Zeit wurden allerdings genaue diese Marathonetappen auf Wunsch von VW abgeschafft, da deren hochempfindliche Renngeräte nicht ohne einen entsprechenden Service am Abend den nächsten Tag überstanden. Doch diese Zeiten sind offensichtilich bald wieder vorbei. Insofern ist es eigentlich schade, dass diese Besonderheit in 2012 nur für die Motos gilt. Die Autos und Trucks geniessen ihren normalen Service in einem separaten Bivak (welches allerdings nur auf der anderen Seite einer grossen Düne liegt)
Die Diskussionen um Robby Gordons Disqualifikation und seinen Einspruch bestimmten natürlich immer noch die Gespräche im Fahrerlager. Er hat sich inzwischen geäussert und sagt, dass sein Fahrzeug von einem technischen Kommissar als legal beurteilt wurde und sein System seit fünf Jahren genau so von ihm bei der Dakar genutzt wird. Was genau er da so treibt ist allerdings immer noch nicht genau herauszufinden. Er arbeitet wohl mit seinem Tyre Inflation System, ein System, welches den Buggies erlaubt die Reifen vom Cockpit aus aufzupumpen (und die Luft auch wieder abzulassen) was ein Wettbewerbsvorteil ist, wenn sich Dünen (wenig Luftdruck) und Steine (viel Luft) abwechseln. Dieses Arbeitshilfe ist bei Allradlern verboten (weiss auch nicht warum, das habe ich schon immer für völlig dämlich gehalten). Robby nun soll aber mit seinem System nicht nur das Aufpumpen der Reifen im Sinn haben, sondern führt wohl auch frische Luft vor den Air Restrictor. Was klar leistungssteigernd wäre, aber verboten? Keiner mag sich zu weit aus dem Fenster lehnen, aber die Tatsache, dass das System abgenommen wurde spricht in dem Prozess der nun folgt eher für Gordon. Auf der anderen Seite haben die obersten Sportbehörden auch schon oft gegen ihre eigenen Kommissare geurteilt.
Wie auch immer, am besten wäre eh, wenn die Dakar auf der Strecke entschieden würde und da hat Stephane Peterhanselheute den nächsten Schritt getan. Roma kann auf die Gesamtdistanz seinen Speed nicht ganz mitgehen; de Villier und ZItzewitz liegen zwar mit dem neuen Toyota auf einem sensationellen dritten Gesamtrang sind aber noch keine echten Seigkandidaten (obwohl…Überraschungen gibt es ja immer wieder) und Gordon wird mal wieder von technischen Problemen geplagt und verliert heute deutlich den Anschluss. Entschieden ist die Dakar aber eben erst mit der letzten Etappe und bis dahin sind noch 550 Kilometer racing.
Schon zu oft, hat ein einziger Fehler, ein einziges kleines Problem am Auto einen sicher aussehenden Sieger in einen Verlierer verwandelt, insofern kann man zum jetzigen Zeitpunkt immer nur von Vorentscheidungen reden.Nichtsdestotrotz, wird es Peterhansel sicher gelingen, seinen Erfahrungsschatz auf den für alle neuen Strecken in Peru auszunutzen, sollte also die Technik mitspielen fährt er hier seinem 11. Dakarsieg entgegen.
Ab heute gibt es die Infos leider spät, da der Zeitunterschied nun sechs Stunden beträgt.
Gestern ging der Tag mit einem Paukenschlag zu Ende. Robby Gordon disqualifiziert! Die technischen Kommissare finden an seinem Buggy ein Extra-Loch zur Luftansaugung. Eigentlich darf sein Buggy per Reglement nur durch ein kleines Löchlein von 37,2 mm Luft ziehen. Man versucht die verschiedenen Antriebskonzepte in diesem Sport ungefähr auf ein Level zu bringen und erlegt jedem einzelnen Fahrzeugtyp verschiedene Handicaps auf, z.B. Luftmengenbegrenzer sog Restriktoren an der Luftansaugung der Motoren. Offensichtlich holt sich Robby aber eine kleine Extraansaugung und damit ein paar Extra PS. Er wird disqualifiziert, legt jedoch sofort Revision ein. Das ist in unserem Sport möglich und bedeutet, dass es ein endgültiges Ergebnis für die Dakar 2012 erst weit nach der Dakar geben wird, denn nun geht die ganze Angelegenheit vor ein Schiedsgericht der obersten Sportbehörde…und die tagen nunmal nicht so oft.
Wenn er gewinnen sollte, weiss man also erst viel später, ob er auch tatsächlich der Sieger des Rennens bleiben wird. Falls es ein MINI schafft, wäre zumindest der Sieger klar. Insofern wünscht man sich natürlich schon, dass Peterhansel, der das Rennen nach dem heutigen Tag nunmehr mit 19 Minuten anführt auch am Schluss ganz oben auf der Liste steht. So einen HickHack nach der Veranstaltung kann wirklich niemand gebrauchen.Auf der anderen Seite wird Gordon schon seine Gründe dafür haben, warum er sofort Revision eingelegt hat. Eine blöde Situation für alle Beteiligten. Natürlich steht nun auch der Ausstieg des aktuellen Dakarsiegers Al Attiyah in einem anderen Licht dar. Hat er vorher von Manipulation gewusst und wollte nicht mitmachen, oder war es wirklich nur die Lichtmaschine, die ihn gestern zum aufgeben zwang? Fragen über Fragen. Antworten darauf werden wir jedoch so schnell nicht bekommen.
Kurios bleibt so oder so, dass das Team um Gordon ohne eigenen T4 Servicetruck angetreten ist. Ganz nach dem Motto Hopp oder Topp. Den Ami verstehe wer will. Seiner Show auf der Strecke tut das Ganze aber keinen Abbruch, er beendet den Tag auf dem vierten Rang.
Immer mehr zu einem echten Favoriten für den Fall, dass Peterhansel doch noch Probleme bekommt, entwickelt sich Nani Roma. Der Catalane, der die Dakar bereits auf dem Motorrad gewann, heimst seinen dritten Tagessieg ein.Zumal (mein persönlicher Geheimtipp) Holowczyc aus dem Titelrennen ausgeschieden ist. Er hat nach Servolenkungsproblemen, Plattfüssen und einem demolierten Kühler nach verpatzter Abschleppaktion, keine Chance mehr auf den Konfettiregen in Lima.
Immer noch richtig gut dabei ist Dirk von Zitzewitz als Co an der Seite von de Villier im vor der Dakar völlig ungetesteten neuen Toyota Pick Up. „Und genau das ist unser Problem“ verrät mir Dirk nach der stage, die sie als dritte beenden. „ Wir wissen absolut nicht, wo das Limit von unserem Auto liegt, dementsprechend wäre sicher noch mehr drin, wenn wir mehr Zeit für die Vorbereitung gehabt hätten.
Es bleibt also spannend auf der Dakar 2012, auch wenn sich der Focus nun ein wenig mehr auf die MINI verschoben hat.
Auf geht es nach Iquique im Norden Chiles. Iquique liegt in einer Freihandelszone und ist deshalb beliebtes Ausflugsziel für die Chilenen. Auf dem Weg dorthin, immer am Meer entlang, gibt es für 300 Kilometer keine richtige Stadt. Die Menschen an diesem Küstenstreifen arbeiten alle auf sich allein gestellt. Die meisten ernten Algen aus dem Meer, oft ohne Boot einfach nur am Ufer `geerntet`. Sie sammeln es in kleinen Haufen und wenn entsprechend genug gefunden wurde wird das Ganze auf einen klapprigen LKW geladen und in die nächste grössere Stadt nach Antofagasta gebracht. Somit sehen wir immer mal wieder Ansammlungen von heruntergekommenen aber irgendwie sympathischen Häuschen oder Wellblechhütten am Strand. Meist in einer längeren Reihe. Dann allerdings wieder für viele Kilometer nur Strasse, Strand, Meer und Berge. Die Strasse schlängelt sich zwischen Meer und Bergen dahin und tatsächlich kommt nach einigen Stunden Fahrt eine grössere Stadt in Sicht. Mit bewässertem Mittelstreifen auf der Fahrbahn und Menschen an der Strasse, die dem Dakartross fröhlich zuwinken.Dann die Überraschung, der Ort – Tocopilla – hat einen Golfplatz!!! Mitten im Sand, ohne jeglichen Grashalm. Hier lernen wir also, warum chilenische Golfspieler in Sandbunkern so gut putten können!
Auf dem weiteren Weg helfen wir noch einem Chilenen aus, der ohne Diesel liegengeblieben ist. Ziemlich einsam hier um ohne Sprit dazustehen, aber er hat sofort einen Schlauch parat, um bei uns abzuzapfen. Als sich der als zu kurz erweist (unser GL hat einen 100l Tank und der war gerade ziemlich leer) kommt schon der nächste Einheimische angefahren und kann mit einem Schlauch aushelfen. Scheint hier des Öfteren benötigt zu werden so ein Teil….
In Iquique ist die Dakar mehr als willkommen. An der Zieldüne stellt der Veranstalter sogar eine Tribüne auf. Viele wühlen sich aber auch direkt mitten in den Sand an den Rand der stage hinein und warten dort Stunden, bis alle durch sind. Das ist allerdings relativ, den die Erfahrung zeigt, dass sich diese Etappe für viele bis in die Morgenstunden ziehen wird…der Veranstalter hat morgens eine Umleitung bekannt gegeben, was für die Teilnehmer über 50 Kilometer mehr racing bedeutet; damit ist die Etappe dann inklusive Neutralisation in der Mitte, über 600 Kilometer lang.
Die Zieldüne in Iquique ist insofern spektakulär, als dass sie Vollgas bergab befahren werden kann. Hier zeigt sich Robby Gordon in Bestform. Er hat dafür natürlich auch das beste Auto , denn mit den (per Reglement erlaubten) grossen Federwegen an seinem Buggy schreckt ihn kein Loch.
Robbywird dann auch endlich `seine` Etappe bei der diesjährigen Dakar gewinnen, nachdem ihm ja gestern schlappe fünf Sekunden dazu gefehlt haben. Er wird damit zum ärgsten Verfolger von immer-noch Spitzenreiter Peterhansel. In den Top 7 tummeln sich damit vier Marken (MINI/Hummer/Toyota/Great Wall). Nach dem Abgang von Dauersieger VW wohltuend für die Competition, wobei nur MINI und Hummer echte Siegchancen eingeräumt werden. Aus deutscher Sicht erfreulich: Stephan Schott auf BMW kommt als 22. Ins Ziel und erreicht damit sein bestes Tagesergebnis.
Eine typische Dakarstory ereignet sich in unserem Umfeld. Ein Motorradfahrer, dem wir zu Beginn der Dakar zum Test eine Flexitec Sohle in die Motorradstiefel gegeben haben und der sie seitdem als unser Testfahrer im Motorradbereich im Schuh trägt, hat sich in einem Fluss festgefahren und ist dort umgefallen. Da wir uns im Laufe der Rallye mit ihm und seinem Team angefreundet haben drücken wir ihm natürlich die Daumen, dass er es ins Ziel schafft, zumal er an Platz 22 Gesamt liegt. Miran ist ein Dakarveteran und schafft es tatsächlich, den Motor wieder flott zu kriegen. Er kämpft sich aus dem Matsch heraus in dem er komplett mit seinem Moto versunken war und repariert den Motor auf der stage indem er auf verschiedne Art und Weise das Wasser dem Aggregat herausholt. Dafür braucht er natürlich einheimisches Oel.Aber wie bei einem 24 Stunden Rennen am Nürburgring sind die Zuschauer auch hier mit dem nötigsten präpariert um Liegengebliebenen zu helfen. Frisches Öl für Miran ist also kein Problem. Er schafft es ins Bivak, allerdings mit zweieinhalb Stunden Standzeit. Morgen geht es für ihn mit Ersatzmotor weiter. . Viele hätten aufgegeben, aber dann wäre dies ja keine Dakarstory
Langsam stellt sich heraus,dasses nicht so einfach wird mit dem Dakarsieg für die hochfavorisierte MINI-Mannschaft. Zwar führt Peterhansel das Gesamtklassement noch an, aber der Vorsprung ist nur noch minimal und er hat sein wichtigstes Pulver, seine Klasse in den Dünen bereits verschossen.
Wenn es technisch bei ihm so glatt laufen würde, wie im MINI Lager, dann wäre Robby Gordon dem gesamten Feld bereits weit enteilt. Bei Sven Quandts Truppe kann man demnächst den schnellen Service einsparen, wenn es so weiter geht. In Gordons Teams jedoch gibt es jeden Tag , wenn auch nur von kleinen, Problemen an wenigstens einem der beiden Autos zu berichten.
Heute verpasst Gordon den Etappensieg um fünf Sekunden, aber das macht ihm wenig. Entscheidener ist, dass er sieben Minuten auf Peterhansel aufholt und dabei im Gesamtklassement nun auch noch um ein paar Sekunden besser liegt als der drittplatzierte Krzysztof Holowczyc. Die drei sind nach der Halbzeit der Rallye die heissesten Favoriten auf den Gesamtsieg, wobei sich Nani Roma, der die Dakar bereits, wie Peterhansel, auf dem Motorrad gewann ebenfalls immer wieder in die Ergebnislisten oben einträgt. Heute mit dem Gewinn dieser langen aber schnellen Etappe.
Auch für den Service war es ein langer Tag. Über 600 Kilometer Verbindungsfahrt lassen keine Zeit um sich das Meer, das kurz hinter Copiapo wieder auftaucht, genauer anzuschauen, zumal die Autos morgen extrem gut vorbereitet dastehen müssen. Es geht auf die längste Etappe der diesjährigen Dakar. Bis nach Iquique sind es für die Teilnehmer über 550 Kilometer Stage, allerdings mit einer Neutralisationsphase auf Asphalt in der Mitte der Stage die 120 Km lang sein wird. Spektakulär ist die Zieldüne in Iquique. Eine Höllenabfahrt direkt ins Bivak, die Vollgas genommen werden kann. Allerdings sollte man auch mit einer gehörigen Portion Respekt an diese wirklich aussergewöhnliche Düne herangehen. Zwar ist in all den Jahren noch nichts passiert, aber ein kleiner Zögerer oder eine falsche Lenkbewegung und das Ganze kann in einem Riesencrash enden.
Wir haben für die Übertragung heute im Übrigen ein schattiges Plätzchen auf der Terasse des Radisson in Antofagasta gewählt. Das Bivak ist 30 Kilometer entfernt und wir geniessen unseren Cafè Cortado…Ahhhh Luxus Dakar….
Nachdem die Dakar gestern dem Service eine Auszeit durch eine zweite Übernachtung im Bivak in Copiapo gegeben hat ist heute der „echte“Restday, also ein Tag ohne Racing angesagt. Ausruhen kann an einem solchen Tag jedoch niemand. Zunächst mal, weil die gestrige Etappe für viele auch in den Mittagsstunden des Ruhetags noch nicht beendet ist - sie stecken noch in den Dünen fest. Wer es in das Bivak geschafft hat, der „leckt seine Wunden“ ,wäschtseine Sachen und bereitet sie wieder einsatzfähig vor und ähnliches. Bei den Werksteams bedeutet das, relaxen für die Fahrer, da die oben erwähnten Jobs von Teammitgliedern übernommen werden, Arbeit für die Co Piloten, die ihre Roadbooks für den nächsten Tag vorbereiten und viel, viel Arbeit für alle anderen.
Klassischerweise am Restday erhalten alle Fahrzeuge den `grossen Service`. Im Endeffekt wird alles komplett zerlegt und je nach Laufzeiten alles für die zweite Hälfte der Rallye erneuert. Einige Fahrer trudeln am nachmittag im Bivak ein, falls sie denn im Hotel übernachtet haben, einige recken sich ebenfalls in den späteren Stunden des Tages, wenn die Sonne das Zelt quälend aufgeheizt hat, aus der Schlafstatt. Wir nutzen die Zeit für Interviews und erfahren, dass die Dakar gestern wieder einmal für einige typische Geschichten gut war.So kommt Thomas Wallenwein, mein Kollege bei der German Offroad Masters, erst in den späten Morgenstunden mit einem deutlich demolierten Truck ins Ziel. Eine Rolle in den Dünen und das spätere Aufrichten des LKW übers Dach, haben den Renntruck nachhaltig aber nicht schwer beschädigt. Seine Crew ist eine von vielen, die heute in den Dünen übernachtet haben (zumindest zwei Stunden lang). Am Vormittag sind ganze 81 Autos im Ziel, bei den Trucks und Motorradfahrern sieht es ähnlich aus. Immer mal wieder kommen Hubschrauber geflogen, die liegengebliebene Motos aus den Dünen bergen und am langen Seil zurück ins Bivak fliegen.Die Teilnehmer haben heute ausnahmsweise jedoch bis abends um 18 Uhr Zeit sich zurück zu melden, erst dann fliegen sie aus der Wertung.
Erfreulich aus deutscher Sicht: Stephan Schott und Stefanie Manns sind bereits durch. Stephan kämpft sich nach harzigem Beginn immer weiter nach vorne und Stefanie prophezeie ich eine Zielankunft, wenn sie so besonnen und beharrlich weiter macht wie bisher.
Im Gesamtklassement zeigt sich, dass Holowczyk dem mehrmaligen Dakarsieger Peterhansel auch im Wüstensand die Stirn bieten kann. Er verliert auf der gestrigen Etappe sieben Minuten und das obwohl er sich zweimal einen Platten fährt. Das Duell um die Spitze bleibt also mehr als spannend, zumal sich in diesem Jahr erstmalig auch Robby Gordon im bulligen Hummer als echter Siegkandidat präsentiert.Er fährt nur 13 Minuten hinter Peterhansel , obwohl er derjenige aus der Spitzengruppe mit den meisten technischen Problemchen ist. Zum Restday ist auch endlich Robbys zweiter Truck angekommen, der im Zoll hängen geblieben war. Das Team ist nun also komplett und schwerst motiviert diesmal alles richtig zu machen.
Nach der unfreiwilligen Rennpause am gestrigen Tag geht es heute wieder richtig zur Sache.Copiapo-Copiapo ist die berüchtigte Dünenschleife um das Bivak am Restday herum. Mit 419 Kilometern reiner stage muss man echte Marathonqualitäten beweisen, zumal der Veranstalter zwei gemeine Dünenfelder an den Schluss gelegt hat.In den vergangenen Jahren hat sich an diesem Tag oftmals bewiesen, dass der Sand Entscheidungen herbeiführen kann. Besonders im hinteren Feld ist dieser Tag gefürchtet. Dadurch, dass der Veranstalter die Trucks ins Gesamtfeld einreiht und sie nicht hinter den Autos hinterherstarten lässt, ergibt sich ein wahrlich gemischtes Feld. Das ist für die hinten startenden Autos insofern problematisch, als dass sie sich teilweise ganz neue Wege suchen müssen, da die „guten“ Spuren von den tonnenschweren LKW bereits komplett ausgefahren wurden.
Grundsätzlich gilt: ja nur kein technisches Problem bitte! Auf einer solchen Etappe mehr als auf jeder anderen. Warum? Weil es extrem schwer ist, nachts in den Dünen zu navigieren, zu fahren und überhaupt was zu sehen (und nach einem unfreiwilligen Stopp kann man davon ausgehen, dass man die Sterne vom Rennauto aus beobachten wird) und zweitens, weil die Renntrucks, die als schneller Service unterwegs sind, teilweise andere Spuren nehmen als die Autos und dann im entsprechenden Notfall glatt an ihrem „eigenen“ Rennauto vorbei fahren. Da reicht eine Düne, die zwischen den beiden liegt, und mit Service in der Wüste war`s nix.
Im Bivak selbst ist Rasurtag. Die Sieben –Tage- Bärte der Mechaniker werden gestutzt, Wäsche erledigt und alles was in den vergangenen Tagen wegen Zeitmangels liegengeblieben ist kann nun von Mechanikern und Begleitern erledigt werden. Da wir hier in Copiapo ja dreimal übernachten, macht sich auch der Veranstalter Mühe. Es gibt einen Kärcher Service für die Fahrzeuge, eine RedBull Lounge mitten im Wüstensand (mit Ventilatoren, die den Staub glatt wegpusten) und auch unser Mediazelt ist besser gegen die Sonneneinstrahlung geschützt als anderswo.
Um fünf Uhr nachmittags werden die ersten Autos im Ziel erwartet und es wird wohl ein Buggytag werden. Robby Gordon und Al Attiyah liegen im Hummer ganz vorne. Hier zeigt sich, dass Robby in Amerika hauptsächlich solche Pisten befährt, wie sie heute geboten sind.
Auch im Mini Lager könnte es eine kleine Vorentscheidung geben, zumindest eine psychologische, immerhin werden wir nach dieser Etappe den „Herbstmeister“ küren. Die Hälfte der Strecke ist dann erledigt.
Heute kein racing. Das kam schon in der Vergangenheitöfter mal vor. Meist hatte sich am Vortag das halbe Starterfeld noch nicht wieder im Bivak eingefunden sondern hatte Sonderschichten in den Dünen eingelegt, oder es sind Flüsse enstanden wo vorher keine waren und machten die Strecke unpassierbar.Am heutigen Renntag ist ebenfalls das Wetter an der Rennabsage schuld. Regen und Schnee machen einen Start für die Teilnehmer zu riskant.
Das heisst, dass wir heute alle gemeinsam in einem schier endlosen Konvoi über die Anden fahren.Die Temperaturen sollen dabei auf ca. 5 Grad fallen und dementsprechend präparieren sich die Motorradfahrer bereits vor der Abreise mit dicken Jacken, Regencapes und Handwärmern an den Lenkungen.
Die Startreihenfolge wird aber auch bei diesem Konvoi eingehalten und erst danach dürfen die Assistenzfahrzeuge auf die Reise gehen. Pressefahrzeuge dürfen allerdings das Bivak verlassen, wann immer sie wollen. Manche fahren also bereits am Abend vorher los und übernachten in den Bergen. Wir nehmen die„Luxusvariante“ incl. frischer (weil wie immer saukalter) Dusche am Morgen und machen uns recht zeitig auf den Weg.
Da der geplante Pass über die Anden ebenfalls in Teilen unbefahrbar ist,fahren wir rund 200 km mehr als geplant. Dementsprechend wird dies ein sehr langer Tag. 650 Kilometer mit einem 75 kmh Schnitt, das ist angesichts der Tatsache, dass davon die Hälfte auf Schotter zurückgelegt wird schon ziemlich ordentlich. Wir nehmen uns sogar ausnahmsweise die Zeit kurz eine Rast an der `Laguna Verde` einzulegen und die Füsse in den heissen Quellen zu relaxen. Zu lange darf man hier allerdings nicht ausharren, sonst sieht man innerhalb kürzester Zeit aus wie ein frischer Lobster. Die Sonne brennt auf 4.600 Metern Höhe unbarmherzig. An der chilenischen Grenze gibt es dann die üblichen Kontrollen was hier heisst, dass neben den Pässen auch kontrolliert wird, ob man frische Lebensmittel an Bord hat. Deren Einfuhr ist verboten und tatsächlich wird die Sache in diesem Jahr sehr ernst genommen. Es werden eigens zwei Schnüffelhunde eingesetzt, die darauf dressiert sind Frischware zu finden.Wir müssen ehrlich gesagt schon ein bisschen grinsen, als in einem anderen Fahrzeug eine (!) Banane gefunden wird, die wie eine Trophäe herausgezogen wird.
Im Bivak treffen wir dann noch Stefanie Manns, eine deutsche Teilnehmerin bei den Autos.Da ich erst am zweiten Abend gemerkt habe, dass es tatsächlich noch eine weitere Deutsche im Rennen gibt (und dass ziemlich gut bei ihrer ersten Dakar)suche ich sie nun und verspreche ihr ein Interview in meinem Autobild Blog für den nächsten Tag.Auf dem Weg ins Media Centerspricht mich Andres Memi an, den ich aus der Bike Kategorie kenne. Weit gefehlt, er ist Teil der Besatzung des ersten argentinischen Trucks, der jemals auf der Dakar gestartet ist…..die Dakar ist also auch in ihrem 31. Jahr immer noch für Premieren gut.
Heute wird das aus Zeitgründen leider nichts mit einem Videoblog. Unser Kameramann ist für den heutigen Tag in den Truck seines Bruders umgestiegen und ist abends um 22 Uhr immer noch nicht im Bivak angekommen. Aber die `one minute per day`….die muss er noch abliefern….hoffentlich klappts.
Der Tag beginnt mit einem Paukenschlag.Gestern noch ein Hero heute der grosse Verlierer. Es ist die Rede ist von Orlando Terranova, gestern mit seinem Toyota Zweiter im Rennen und heute schon vor dem Start der Etappe `out of race`. Offiziell heisst es, dass sein amerikanischer Beifahrer wegen Familienproblemen ausgestiegen ist; inoffiziell weiss jeder, dass der eigentliche Grund für seine Aufgabewohl eher `Familienstreitigkeiten` im Rennauto gewesen sind. Die Gründe seines Co Piloten spalten das Fahrerlager.Er sagt, dass er die Fahrweise seines Piloten nicht akzeptieren kann; zu nahes Überholen an Motorradfahrern vorbei;zuviel Risiko und ganz allgemein unverantwortliches Fahren. Harte Worte, aber wenn ein Beifahrer so empfindet und der Fahrer nicht bereit ist etwas zu ändern, dann muss eine solche Beziehung wohl gelöst werden. Ist der Beifahrer erst einmal weg, darf der Fahrer nicht mehr weiterfahren, obwohl das sicher möglich wäre, da ja auch die Motorradfahrer und der ein oder andere Single Buggy Pilot auf sich allein gestellt ist. Das Reglement verbietet so etwas aber.
Schade nur, dass sich damit ein Team aus der Spitzengruppe verabschiedet. Toyota bleibt jedoch mit Giniels de Villiers und seinem deutschen Co Dirk von Zitzewitz eine echte Siegerpaarung im Rennen, auch wenn sie heute im weichen Wüstensand 15 Minuten auf Spitzenreiter Peterhansel verlieren.
Dirk erzählt mir, dass sie sich einmal absolut unglücklich festgefahren haben. Der Sand in den Dünen um Fiambala ist wohl dermassen weich, dass sich die „Jacks“ , die Stempel der Hebeanlage tief in den Sand bohren. Nach langem hin und herund 4 verlorenen Sandblechen (von sechs….die wussten, was sie erwartet) ist der Zeitverlust ärgerlich aber verschmerzbar.
Die Rennstrecke ist heute zwar nur läppische 150 Kilometer lang, aber die scheinen es in sich zu haben. Besonders der weiche Sand in Verbindung mit den langen Anstiegen macht den Teams zu schaffen. Glücklich schätzt sich heute jeder, der mit grösserem Hubraum antritt (ist das nicht irgendwie immer gut?). Die Etappe gewinnt heute mein Geheimfavorit Krysztof Holowczyc. Wenn er im Sand der nächsten Tage Peterhansel die Stirn bieten kann, dann ist er gut für den Gesamtsieg. Er kommt aus dem Rallyesport, hat sich in den vergangenen Dakars mit unterlegenem Material bis in die Top 6 vorgekämpft und verkörpert genau die richtige Mischung zwischen Besonnenheit und Attacke, die einen Dakarsieger ausmacht.
Ansonsten sind immer noch alle Favoriten in der Spitzengruppe vertreten, einschliesslich Carlos Sousa auf dem chinesischen Great Wall; einzig derArgentinier Terranova hat sich in seinem Heimatland, wie erwähnt wohl ein bisschen zuviel vorgenommen.
Morgen geht es für den Service über den `Paso San Francisco“, ein über 4.800m hoher Andenpass auf dem die Luft extrem dünn wird. Dafür gibt es spektakuläre Bilder. Ich bin den Pass nun schon dreimal befahren und kann gar nicht genug bekommen von diesen gewaltigen Natureindrücken.Auf dem Pass selbst hat es dann auch ein kurzfristiges Ende mit dem 40 Grad Dauerhitzschlag. Fünf Grad und Schneefall , soll doch niemand behaupten können auf der Assistenzroute wird es langweilig.
Bis morgen, viele Grüsse aus dem staubigen Fiambala
Heute ist für alle ein ereignisreicher Dakar- Tag. Die Teilnehmer müssen ins Gebirge, was immer anstrengend ist, da man meist an irgendeinem Abgrund entlang fährt.Das erfordert Konzentration und Mut und das heute immerhin über 320 Wertungskilometer. Zwischendurch gibt es immer wieder Flussdurchquerungen (ausgetrocknet oder auch nicht) und trialähnliche Passagen, die aufs Material gehen. Das macht die Strecke recht selektiv und somit zieht sich das Feld auch weit auseinander. An der Spitze gibt es die üblichen Problemchen (zB bei Robby Gordon) aber alles in allem setzen sich die Favoriten durch. Dies erscheint auch für die weiteren Etappen wahrscheinlich, da sich in den Top 6 zur Zeit vier Dakarsieger tummeln (De Villier, Peterhansel, Roma, Al Attiyah)…und die schenken sich absolut nichts -heute lohnt es sich definitiv meinen Videoblog anzuschauen….
Bisher überraschend ist, dass sich die Toyota Hilux, die sich relativ ungetestet aber in routinierter Hand (de Villier, Terranova) befinden, problemlos durchkommen und zur Zeitum Spitzenplätze mitkämpfen. Die Autos werden in Südafrika aufgebaut, einem Land mit grosser Offroad Tradition und der wahrscheinlich härtesten Meisterschaft weltweit.
Während in der Spitze gnandenlos Gas gegeben wird, gibt es dahinter eine Menge Dakarprojekte mit viel Engagement aber wenig Chancen auf die Top 10. Ca. in der Mitte des Feldes gibt es dann einen richtigen break durch das Starterfeld, denn ein Grossteil hat hier ganz andere Ambitionen als den Sieg. Durchkommen ist angesagt und das sieht man auch am gefahrenen speed. Trotzdem erwischt es schon einige. Seit neuestem sind Anhänger an den Servicetrucks erlaubt, und die füllen sich schon jetzt sichtlich.
Auch für uns ist dieser Tag spannend. Der Renntruck von Mathias Behringer, der am zweiten Tag mit Problemen in den Dünen ausgeschieden ist wird nun von Olaf, dem Bruder unseres Kameramanns nach Lima chauffiert.Die Truppe um Behringer hat inzwischen leicht gefrustet die Heimreise angetreten und ihm den Renntruck überlassen.
Das ist für Olaf insofern aufregend, als dass heute auch auf der Assistenzroute zum ersten Mal eine lange Schotterpassage durch die Berge auf dem Programm steht.Aber Olaf ist begeistert und wir freuen uns, dass wir nun von „unseremeigenen“ Servicetruck durch die Dakar begleitet werden. Nicht dass das nötig wäre. Wir haben mit dem Mercedes GLgenau das richtige Fahrzeug dabei. Platz ohne Ende,komfortabelstes Reisen aller Dakarteilnehmer und im Gelände bringt er uns auch überall hin.
Landschaftlich haut uns Argentinien heute um. Die Anden sind schon hier, also in den Ausläufern, unglaublich abwechslungsreich und farbenfroh. Von Kakteensteppe bis Salzwüste sehen wir alles. Wunderbare Bilder. Im Kopf und auf der Kamera; entsprechend ist die Fotoausbeute des Tages. Die steht aber leider umgekehrt proportional zur Stärke der lokalen Internetverbindung. Wir scheitern zunächst, schliesslich ist das hier deutlich abgelegener als unsere bisherigen Bivaks, aber wie der eingestellte Text beweist, werden wir dann doch noch fündig. Hier sind fast alle WLAN Netze ungesichert und wir finden am Strassenrand das offene Netzt einer Firma in das wir uns einloggen können. Ich befürchte Morgen wird das Ganze noch viel schwieriger. Schon allein die Tatsache, dass es auf den nächsten 800 Km nach und um Fiambala keine Tankstelle geben wird, lässt auf horchen. Zumindest was unsere GL Reichweite angeht, sehen wir den kommenden Tagen sorglos entgegen. 100 L Tank und 40 L in Reservekanistern lassen uns ruhig schlafen.
Heute geht es ins Gebirge. Wir erreichen die ersten Andenausläufer. Für die Rennteilnehmer bedeutet es, dass sie sich schon mal ein wenig an die dünne Höhenluft gewöhnen können, denn im Laufe der kommenden Tage wird es bis auf 4.600 Höhenmeter gehen.
Aus deutscher Sicht ist diese Dakar jetzt bereits ein Desaster. Die einzigen beiden deutschen Piloten bei den Autos haben beide mit grossen Problemen zu kämpfen, wobei eine defekte Kopfdichtung am Motor des deutschen Rallyemeisters Matthias Kahle für ihn bereits das komplette Aus bedeutet. Bei einer Dakar wird immer und unter allen Umständen weitergefahren und man versucht das nächste Bivak zu erreichen, selbst wenn das Auto nur noch drei Räder hat, aber es gibt zwei Dinge, die nicht passieren dürfen: ein kapitaler Überschlag oder Unfall, bei dem der Überollkäfig beschädigt wird, dann lässt einen der Veranstalter aus Sicherheitsgründen nicht weiterfahren oder ein Motorschaden, denn in diesem Fall setzt das Reglement die Grenzen. Ein Motorwechsel ist nicht erlaubt.
Mit Stephan Schottauf einem Rennprototypen, der für vordere Plätze gut ist, ist auch das zweite deutsche Eisen nicht mehr ganz heiss. Er erreicht nach verbogener Spurstange und längerem Aufenthalt in den Dünen das Bivak erst um 6 Uhr morgens und auch heute läuft es nicht rund. Nur Platz 66 für ihn. Wir erinnern uns: auch unser hoffnungsvollster Beifahrer, Jürgen Schröder war schon schnell draussen, er sass (sprichwörtlich) auf dem heissen Sitz bei Alfi Cox, dessen Volvo am ersten Tag abgebrannt ist. Was Ergebnisse angeht schielen wir also von nun an ein wenig mehr auf die Renntrucks, denn dort liegt Fanz Echter mit seinem Co Piloten Detlef Ruf (hat auch mich schon durch die Dakar navigiert) in aussichtsreicher Top 10 Position.
Das Bivak verkleinert sich also schon in den ersten Tagen deutlich. In Südamerika ist es im Fall eines Ausfalls viel einfacher eine Rückreise zu organisieren als in den ursprünglichen Austragungsländern Afrikas. Wer hier sein Rennauto abstellen muss, kann sich quasi von einem normalen Abschleppdienst nach Lima zur Verschiffung transportieren lassen. Wer in Mauretanien oder Mali in Düne 116 strandet wird sich erst einmal drei Tage intensiv mit der Frage beschäftigen müssen,wie man Mensch und Material denn eigentlich aus dieser Niemandsecke der Welt wieder nach Hause bekommt.
In diesem Punkt und in vielen anderen ist eine Dakar in Südamerika einfacher zu bewältigen als in Afrika. Der Service kann meist normale befahren und muss nicht stundenlang über Pisten und Dünen um ins nächste Bivak zu gelangen. Der Pressetross hat (meist) eine anständige Internetverbindung (einzig Peru macht uns ein wenig Sorge und auch Fiambala habe ich von vergangenen Dakars noch als echtes Nest in Erinnerung) und die Teilnehmer müssen zwar schwierige Strecken, nicht aber schwierige Verbindungsetappen bewältigen. Darüberhinaus bleibt es lange hell (in Afrika fällt um spätestens 18 Uhr ein schwarzer Vorhang runter) und die berüchtigten Marathonetappen (zwei Tage ohne Servicecrew) hat der Veranstalter schon lange gestrichen.
Aber dennoch, das `echte` Dakarfeeling stellt sich spätestens dann ein, wenn man nach der Nacht im Zelt eiskalte, siffige Duschen betritt.Bei Nachttemperaturen um die 30 Grad übrigens auch….
Auch der zweite Tag der Dakar 2012 steht unter dem Stern vieler Verbindungskilometer. Für die Teilnehmer bedeutet das zunächst mal über 400 Kilometer im normalen argentinischen Strassenverkehrzu bestehen bevor es auf eine eher kürzere Wertungsprüfung von rund 300 km geht. Der ein oder andere Fahrer schont sich und lässt den Beifahrer ran um in der eigentlichen Wertungsprüfung fit zu sein.
Der Veranstalter legt von Beginn an Wert darauf die Teilnehmer durch tiefen Sand zu schicken und mit dem Dünenfahren nicht erst bis zur Atacamawüste zu warten. Dementsprechend schwer ist es für diejenigen, die sich zum ersten Mal hierher wagen.Keine grosse Eingewöhnungszeit-direkt hinein ins Vergnügen.
So warten also schon heuteam Ende der Prüfung die ersten 50 Kilometer Sand. Das besondere hier:alle Teams werden vor dem Start gewarnt, da sich bereits am frühen Morgen 3000 Zuschauer in den Dünen befinden. Die habendort übernachtet um von Anfang an alles mitzubekommen. Angesicht der Massen und der Begeisterung in den Ortschaften geradezu eine kleine Gruppe, aber wer würde in Deutschland eine Nacht unter freiem Himmel verbringen, nur um ein Rennen anzuschauen? Hier völlig normal. Die Argentinier sind so freundlich und so begeisterungsfähig, das öffnet einem das Herz.
Pampa ist gar nicht langweilig
Wir müssen, wie alle anderen auch heute Kilometer schrubben und nehmen uns nur ein wenig Zeit hin und wieder auf eine Nebenstrasse abzuweichen um das Leben in derargentinische Pampa genauer unter die Lupe zu nehmen.Dabei stellen wir fest, dass der erste Eindruck täuscht. Die Pampa ist alles andere als langweilig. Es gibt zwar nur die Farben beige und grün, aber in dieser Farbauslegung äusserst unterschiedliche Gewächse (meist dornig). Staubig ist es fast überall, aber irgendwie stört das gar nicht, da dafür die Häuser (wenige)und Geschäfte (sehr wenige) umso farbenfroher daherkommen. Briefträger möchte man hier trotzdem nicht werden, da zwischen den einzelnen Nachbarn oft geschätzte 12.000 Haunummern liegen.Als wir auf der Hauptstrecke ein tankstelle benötigen, liegt die nächste laut Roadbookin rund 400 Kilometer Entfernung , auch ein Grund auf Nebenstrecken auszuweichen.
Auf der Strecke: Mini gegen Maxi
Da wir heute erst im Mediacenter im Bivak (offenes Zelt – draussen 41 Grad Celsius) unsere Beiträge/Fotos und Videos vorbereiten, sind wir sogar noch im hellen in San Rafael. Das bedeutet Zeltaufbau ohne Kopflampe und Abendessen vor Mitternacht. Luxusleben.Dementsprechend bekommen wir hier auch alle Infos zum Renngeschehen hautnah mit. Es ist zur Zeit noch ein Kampf des Miniwerksteams gegen die Hummer von Robby Gordon. Nasser Al Attiyah, der Vorjahresssieger hatsich einen Platz auf den Maxi Offroadern gesichert und ist einer der Siegkandidaten auch für die aktuelle Dakar. Darüberhinaus gibt es aber viele weitere ambitionierte Projekte, wie den ersten Hybridantrieb betriebenen Prototypen und ähnliches, doch die müssen allesamt erst beweisen, dass sie sich auf die Härten dieses Rennens optimal vorbereitet haben.
Im Feld der Teilnehmer jedenfalls entdecke ich durchaus viele, die nicht das Zeug haben sollten dieses Rennen zu bestehen und so gibt es bereits heute eine Menge von Ausfällen, Problemen und „Dakarstories“ zu erzählen, obwohl es doch gerade erst losgegangen ist. Ich bin bei der Dakar 2007 am zweiten Tag ausgefallen. Nie werde ich dieses Gefühl vergessen. Nach all der Vorbereitung und all den Träumen und Wünschen ein solches Debakel.Wir waren damals das zweite Fahrzeug im gesamten Rennen, das aufgeben musste. Heute, am zweiten Tag der Dakar 2012 ist ein Ausfall schon kein Einzelschicksal mehr. Man hört, dass es sogar Matthias Kahle erwischt haben soll. Motorschaden. Das wäre aus deutscher Sicht sehr bedauerlich, da Matthias in den vergangenen Jahren oft Topergebnisse einfahren konnte. Drücken wir die Daumen, dass er es doch noch schafft weiterzufahren.
Der erste Renntag auf der Dakar und es ist für uns alle wieder mal der Wahnsinn. Wahnsinnig viele Zuschauer, wahnsinnig vielEmotion, wahnsinnig viel Arbeit.Der Tag geht in Feierlaune los, denn Silvester verbringen wir noch am Strand von Mar del Plata. Der durchschnittliche Argentinier verballert hierbei ein Monatsgehalt an Feuerwerkskörpern und so geht die Begrüssung des neuen Jahres bis in die späten Morgenstunden.
Heute dann die erste Etappe mit wenig Renn- aber vielen Verbindungsetappenkilometern. 60: 800 um genau zu sein. Bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 110 kmh und teilweise undurchdringlichen Menschenmengen in den grösseren und kleineren Städten dauertdie Fahrt ins erste Biwak bis in die späten Abendstunden.
Wir wollen natürlich schon von diesem ersten Tag ein paar Rennbilder für den Videoblog einfangen und weichen an einer geeigneten Stelle von der Serviceroute ab. Ein kurzer Schotterweg führt uns dann auch direkt an einen sandigen Partder `Carrera`, der Rennstrecke.
Da dies heute die längste Gesamt-Tagesetappe der diesjährigen Rallye wird,beschliessen wirunser Material nicht erst im Bivak nach Deutschland zu übertragen, sondern von der Route aus. Dabei kommt uns extrem entgegen, dass es in Argentinien in jeder grösseren Stadt freies WLAN an fast jeder Ecke gibt. Auf der Hälfte der Assistenzroute liegt Bahia Blanca, eine richtige Stadt mit „ Skyline“ (naja) und zweispuriger Zufahrtsstrasse. Unser Cutter gibt sein ok, er ist magenfest und hat sowohl den Videoblog als auch die Eindrücke vom drumerum, die `one minute per day`bereits fertig. Seine `one minute` ist allerding bisher immer rund drei Minuten lang….es wird also noch ein wenig eingekürzt. Verstehen kann ich ihn allerdings, denn die Bilder fallen einem hier sozusagen in die Kamera.
Bevor wir Bahia Blanca erreichen haben wir jedoch leider noch Gelegenheit unseren Metabo fast Service in Aktion zu erleben. Leider, da es natürlich am besten wäre, wenn Christophe Girard und sein Co gar nicht erst zum Einsatz kämen und nur ihr eigenes Rennen fahren könnten. Einem der Fahrer aus unserem Team SMG ist der Keilriemenruntergeflogen.Nach den kurzen Wertungskilometern wird ein neuer montiert, aber als der Buggy weiterfährt gibt es immer noch ungute Geräusche; ein mistiges Gefühl, wenn eine Dakar schon direkt mit Problemen losgeht.Noch schlimmer ergeht es dem neuen Volvo Team, die sehr engagiert, aber ohne Testfahrten die Dakar angegangen sind. Das Auto von Dakar Routinier Alfi Cox und seinem deutschen Beifahrer brennt bereits in dieser frühen Phase ab und ist somit verloren und das nach einem harten Jahr, in dem der Ideengeber und Chef des Teams an Krebs verstorben ist und die Mechaniker seinen Traum wahr machen wollten. Ihnen bleibt jedoch ein weiteres Auto im Rennen auf das sich nun alle Anstrengungen konzentrieren.
Ein persönliches Rennfeeling bekommen auch wir heute schon ab. Als wir von der normalen Begleitroute abweichen um ein WLAN Kaffee zu finden, geraten wir mitten in den eigentlich nur für die Rennautos abgesperrten Parcour durch die Stadt. Tausende Menschen, die uns zujubeln, als wären wir Rennteilnehmer (mit Dachbox!) und die begeistert den Chicas (Mädels) Suerte (Glück) für die weitere Fahrt wünschen…
Bis morgen, viele Grüsse aus der 40 Grad warmen Pampa.
Seit zwei Tagen sind wir in Mar del Plata, der Stadt in Argentinien, die in diesem Jahr den Start der Rallye Dakar ausrichtet. Anders als in den Jahren zuvor gibt es keine Schleife die in Argentinien beginnt und endet, sondern 8.400 Kilometer durch insgesamt drei Länder – Argentinien, Chile und Peru – dabei wird Lima das Ziel aller Dakarträume des Jahres 2012 werden.
Ansonsten das für Südamerika übliche Bild was die Begeisterung der Massen für dieses Rennen angeht. Tausende säumen seit Tagen die Strassen um sich ein bisschen Dakar Feeling zu holen. Tickets werden verkauft für das Dakar Dorf; einen Showstart vor dem eigentlichen Showstart gibt es bereits im Parc Ferme anzuschauen; Strassenhändler verkaufen alles was nur entfernt mit Dakar etwas zu tun haben könnte und überall Flaggen, gute Laune, Feierstimmung und Dauerdakarsendungen im Fernsehen.
Ich bin beim Anblick des übervollen Starterfeldes ehrlich gesagt zunächst mal ein bisschen eifersüchtig. Seit 2009 mache ich nun Koordination und/oder Presse und sässe doch am liebsten einfach nur im Rallyeauto. Aber das legt sich. Schliesslich zählt auch hier der olympische Gedanke im Sinne von `dabei sein ist Alles`….ich erweitere diese Idee um die Zeile `egal in welcher Funktion` .
Nach dem Ausstieg von Dauersieger Volkswagen lohnt sich im Vorfeld ein Blick auf die potentiellen Dakarfavoriten. Ganz vorne mit dabei ist sicher wieder die Truppe um BMW Anteilseigner Sven Quandt , der diesmal allerdings in den Diensten von MINI agiert. Die Kleinen wollen gross sein und machen sehr deutlich ihren Anspruch klar, die Dakar gewinnen zu wollen. Das zeigt allein schon die Verpflichtung von Stephane Peterhansel und Krysztof Holowczyc zwei absolute Siegfahrer. Auch der Renn-mini selbst ist nicht wie im vergangenen Jahr einfach nur ein BMW mit MINI Karosse, sondern erstmalig eine (fast) komplette Neuentwicklung für diesen Werkseinsatz. Daneben ist das Quandtsche BMW Engagement auf dieser Dakar fast schon ein Hobbyeinsatz, auch wenn beide Marken unter seiner Führung eingesetzt werden.
Ernstzunehmende Konkurrenz erwächst mal wieder von Seiten Robby Gordon, der den Vorjahressieger Nasser Al Attiyah verpflichtet hat. Ob der Hummer diesmal hält? Bei den Amis hat man immer das Gefühl, dass das Gesamtergebnis etwas nebensächlich ist, wenn nur die Show stimmt und Etappensiege eingefahren werden können.
Ein weiteres Werksteam zeigt ebenfalls, dass ein Ergebnis her muss. Die chinesische Mannschaft um den Herstellen Great Wall. Aus europäischer Sicht in fast schon vorurteilsbestätigender Weise (der Great Wall vertraut ebenfalls auf die X3 Basis der Quandt Truppe, in diesem Fall halt mit Great Wall Karosse….scheint recht universell einsetzbar die Technik….). Dazu giebt es mit Carlos Souza einen wirklichen Offroad Helden am Steuer, das Paket stimmt also auf jeden Fall.
Aus deutscher Sicht sind auf dem Fahrersitz leider wieder nur zwei Protagonisten am Start. Matthias Kahle, sechsfacher deutscher Rallyemeister und Favorit in der Buggyklasse, der das Dakarabenteuer durch seinen Beifahrer Thomas Schünemann finanziert bekommt und Stephan Schott, Inhaber einer Werkzeugfirma, der bei all seinen Dakareinsätzen seit 2009 das Ziel gesehen hat. Bei 40% Ankunftquote eine echte Leistung!
Die erste Etappe am morgigen Tag steht allerdings zunächst unter dem Motto „Eingewöhnung\". Schöne Sandfahrten stehen auf dem Programm und nur 60 Kilometer müssen unter Rennbedingungen geleistet werden. Das anspruchsvollste wird werden, die rund 800 Kilometer Verbindungsetappe bei vorgeschriebenen 110 Kmh ohne schwere Müdigkeitserscheinungen zu überstehen.
Ellen Lohr (Monaco) stellt sich auch im Jahr 2012 dem Abenteuer Dakar-Rallye. Mit einem serienmäßigen Mercedes-Benz GL, der von Star Automotive vorbereitet wurde, nimmt sie als Pressedelegierte an der anspruchsvollsten Rallye der Welt teil. Das Offroad Spektakel startet am 1. Januar in Mar Del Plate in Argentinien. Die 9.000 Kilometer lange Route führt über 14 Etappen. Dabei passieren die Teams die Anden und durchqueren die berüchtigte Atacama-Wüste in Chile. Das Ziel erreicht der Rallye-Tross am 15. Januar in Lima in Peru.
„Ich bin einfach mit dem Dakar-Virus infiziert\", sagt Ellen Lohr, die seit 2005 in unterschiedlichen Formen stets mit von der Partie war. „Auch wenn ich in diesem Jahr nicht direkt in das Renngeschehen eingreife, ist es für mich besonders wichtig, dabei zu sein. Ich werde auf verschiedenen Plattformen live aus Südamerika berichten und so den Fans daheim in Europa ein paar sehr intime Einblicke in das Renngeschehen liefern.\" Neben Beiträgen auf dem Online-Portal der Fachzeitschrift Auto Bild kann man Lohrs Erlebnisse in dem Blog Mercedes-Fans.de sowie dem Online-Portal Marathonrally.com verfolgen. Auf ihrer eigenen Website EllenLohr.com gibt es zudem ein Video-Tagebuch, das täglich aktualisiert wird. Ihr Ziel für die Rallye ist klar definiert: „Ich möchte unvergessliche Eindrücke einfangen und den unterschiedlichen Medien, für die ich arbeite, gute Geschichten liefern.\"
Neben ihrer Aufgabe als Berichterstatterin kommt Lohr bei der Dakar 2012 eine weitere, wichtige Rolle zuteil. Ihr Partner Metabo unterstützt das SMG-Team rund um Philippe Gache mit einer breiten Werkzeugpalette. „Ich werde dem Metabo-Fastservice mit Rat und Tat zur Seite stehen und auch die Koordination übernehmen\", sagt Lohr. „Mit dem Pressefahrzeug kann ich mich frei auf der Route bewegen und bin daher äußerst flexibel.