Interview mit Etienne Lavigne (48) Race Director der Rallye Dakar seit 1992
16.1.2012
Ist die Dakar ein Fulltime Job oder organisieren sie auch noch andere Events?
Die Dakar ist absolut ein Ganzjahres Job. Wir reisen die ganze Zeit. Mindestens drei Monate im Jahr um die Strecken zu erkunden, Gespräche mit den Regierungen und Provinzregierungen zu führen und die Logistik vorzubereiten.
Ich selbst bin bei diesen Vorbesichtigungen nur noch bei den neuen Etappen dabei. Ich vertraue da sehr auf meine Truppe im Team, die die Strecken aussuchen.
Grundsätzlich arbeiten wir das Jahr über immer an drei Dakars gleichzeitig. An der Aufarbeitung der vergangenen, den Nachbesprechungen mit den einzelnen Ländern etc. , dann natürlich an der aktuellen Dakar und ausserdem beschäftigen wir uns zwei Jahre vorher schon mit der übernächsten Veranstaltung.
Waren sie selbst ein racer, bevor sie für den Veranstalter ASO die Dakar organisierten?
Nein, ich bevorzuge die ruhigen Sportarten, wie Segeln oder Klettern.
Und wie glauben sie dann, die Rennfahrer verstehen zu können?
Ich versuche natürlich immer mich in die Rennfahrer hineinzuversetzen und wir versuchen als Team eine Dakar zu kreieren, die eine grosse Herausforderung ist, die aber auch die Balance behält zwischen den Möglichkeiten der Amateure und der Profis.
Sind sie in Reglementsfragen eingebunden?
Nur vor der Dakar. Wir schreiben ein Reglement und sichern die Umsetzung auf der Veranstaltung. Das Reglement wird von der FFSA das ist die oberste französische Sportbehörde abgesegnet und das wars dann für uns. In einem Fall wie bei Robby Gordon, bei dem es eventuell zu Ungereimtheiten gekommen ist, entscheidet eine Jury, der wir nicht angehören.
Was ist ihre Passion auf der Dakar?
Meine Leidenschaft ist es ein grosses Team zu führen. Die Richtung vorzugeben. Ich habe dabei das Bild eines Kletterers mit seinem Kunden im Kopf. Man ist verantwortlich und muss ein guter Guide sein, damit man als Team den Gipfel sicher erreicht.
Meine grösste Genugtuung ist die Zeit auf dem Podium im Ziel, wenn alle glücklich sind. Das ist ein sehr emotionaler Moment für die Fahrer und Beifahrer und meine gesamte Crew.
Wir haben bei dieser Dakar so etwas ähnliches wie eine Marathonetappe gesehen, bei der die Motorradfahrer eine Nacht ohne richtigen Service auskommen mussten, wir es das auch für die Autos wieder geben?
Ganz bestimmt nicht. Ich halte die Marathonetappe für eine Verirrung der alten Dakar. Wir haben damit doch meist nur den Amateuren geschadet und es mussten unverhältnismässig viele von ihnen aufgeben, insofern wird es eine echte Marathonetappe nicht so schnell wieder geben.
Schlafen sie eigentlich im Bivak oder im Hotel?
Immer im Bivak.
Ihre Beurteilung der diesjährigen Dakar?
Es war sicher die schwerste die wir jemals in Südamerika veranstaltet haben.
Wird Brasilien ein Thema in der Zukunft sein?
Nein, die haben mit Fussball und anderem so viel um die Ohren, da ist momentan nicht genügend Geld vorhanden um mit und die Dakar zu stemmen. Wir hatten zwar Gespräche mit der Politik, aber die waren nicht erfolgreich. Wir haben im nächsten Jahr mit Santiago de Chile eine würdige Stadt als Zielort gewählt. Ob der Start in Lima stattfindet ist allerdings noch nicht ganz klar. Auf jeden Fall heissen die austragenden Länder wieder Argentinien, Chile und Peru. Never change a winnig combination.