Restday in Arica
08.1.2011
Restday,
Ruhetag bei der Dakar, das bedeutet traditionell viel Arbeit für alle
Beteiligten. Die Mechaniker bringen die Fahrzeuge für den zweiten Teil
des Rennens in Schuss. Die Fahrer pflegen sich je nach bisherigem
Verlauf der Rallye selbst (Auto und Truckfahrer) oder ihre Wunden
(vornehmlich Motorradfahrer). Wer keine unplanmässigen Probleme hat nimmt planmässige Wechsel von Getriebe und ähnlichem vor. Bei den Motrrädern gibt es
bei den Top Teams einen Motorwechsel zur Sicherheit, bei den Fahrzeugen
darf es nach Reglement keinen kompletten Motorwechsel geben., aber
Kupplungen, die bei den stages im weichen Fech Fech Sand besonders
gelitten haben, werden ebenso getauscht wie alle relevanten
Unibalgelenke, Differentiale usw. usw.usw.
Es
wird für alle ein langer Tag und Morgen warten viel Kilometer auf
TeilnehmerInnen und Servicecrews. Am härtesten trifft dies natürlich die
Teams, die teilweise noch auf ihre Rennfahrer warten. Das bedeutet
später dann durcharbeiten und am Tag danach durchfahren um direkt wieder
durchzuarbeiten. Aber was schreibe ich….wir haben es uns selbst
ausgesucht und das entspricht ja auch genau dem Spirit der Dakar. J
Bei
den Werksteams sieht das Ganze aber ein bisschen anders aus. Die
Fahrzeuge sind dermassen schnell unterwegs, dass selbst bei grösseren
Problemen eine relativ frühzeitige Ankunft im Bivak drin ist. Zumal mit
den entsprechenden Rennservicetrucks auf der Rennstrecke. Danach
geht es dann für die Fahrer, Beifahrer und das Management per
Shuttleservice ins Hotel. Dakar-Spirit naja. Man muss wahrscheinlich
einfach akzeptieren, dass sich das „Gesicht“ der Dakar dauerhaft
verändert hat. Was früher echter Marathonsport war, mit einem
Marathontag ohne Service zwischendurch (nach dem die VW zu Beginn des
Werksengagements traditionell
alle ausgefallen sind) ist heute echter ,harter Rallyesport Tag für Tag
über eine lange Distanz. Mit grösseren Städten in der Nähe der Bivaks
und darüber möchte ich mich sicher nicht beschweren, denn das
Datenverschicken mit Sattelitenanlage aus Mauretanien war eher kein
Zuckerschlecken.
Wir
haben heute auch reichlich zu tun, denn neben Videoblog und
Geschriebenem gilt es auch noch kleine Produktvideos für meinen Partner
Nigrin zu produzieren (www.nigrin.de) und natürlich die neuesten Infos im Bivak aufzuschnappen.
Neues aus dem Bivak in Kürze:
· Alfi Cox mit seinem deutschen Beifahrer Jürgen Schröder ist „back on track“ , nachdem er bisher
alle Tage der Dakar in den Top 13 beendet hatte und nur vorgestern mit
Differentialproblemen zurückgefallen war, sind die beiden im
Gesamtklassement mit einem erneuten 13. Rang gestern wieder auf Platz 24
vorgefahren.
· Unser
SMG Fahrer Benat Errandonea wird mit Motorschaden 30km vor Ende der
gestrigen stage von einem T4 Renntruck eines befreundeten Teams ins Ziel
gezogen. Die SMG Mechaniker werden den Motorkopf wechseln und hoffen,
das Problem so in den Griff zu kriegen. (Ganzer Motor darf ja nicht
gewechselt werden s.o.) Er wird immerhin noch 48. und liegt nun auf
Platz 20
· Um 9:37 vormittags sind erst 73 Fahrzeuge sowie 124 Motorräder in Ziel
· Tina
Meier, einzige deutsche Motorradfahrerin wird gestern 99. Und liegt auf
Platz 91 Gesamt. Nach ihrer ersten Zielankunft 2010 ist das Überfahren
der Zielrampe auch dieses Mal wieder das grosse Ziel. Der speed dafür
stimmt. O-Ton an Checkpoint 4 auf der gestrigen stage (Trinkpause)
:“Nächstes Jahr nehme ich ein Auto“
· Annie
Seel ist wieder beste Frau bei den Motorradfahrern und kämpft auf Platz
38 Gesamt. Sie zeigt uns im Bivak ihre lädierte Hand, die sie sich im
vergangenen Jahr in Chile verletzt hatte und die nun nach einer
entsprechenden Operation wieder dick ist und schmerzt. (Annie ist
allerdings bekannt dafür äusserst hart gegen sich selbst zu sein, die
Frau stoppt auch kein Handbruch im Ernstfall)
· Stephan
Schott nimmt die Zieldüne in Iquique mit verbrieften 189 Km/h und ist
damit schneller als seine Profiteamkollegen Peterhansel und Co.
· Auch
gestern hat der Privatier im BMW Team allerdings wieder mit Problemen
zu kämpfen. Ein Wagenheber löst sich. (kleine Anmerkung: wenn das auf
der Rundstrecke passiert bedeutet das im Normalfall einen spektakulären
Abflug), was zur Folge hat, dass er und sein Co ein Loch graben und das
Ding einfach komplett ausbauen. Zeitverlust geschätzte 1:30. Doch damit
nicht genug. Auch die Luftanlage ist ausser Betrieb und das bedeutet,
dass nach den Dünenpassagen (in denen man natürlich mit deutlich
geringerem Reifendruck fährt) kein Reifenaufpumpen möglich ist. Lösung:
Die zwei Ersatzreifen, die noch normal befüllt sind werden aufgezogen
und nach ein paar Kilometern vorsichtiger Fahrt durch steiniges Gelände
werden die anderen beiden mit der Luftanlage eines auf der Strecke
havarierten LKW´S wieder aufgepumpt.
· Der
gestrige Gewinner der Trucketappe, Ales Loprais auf Tatra wäre mit
seiner Zeit im Feld der Rennautos 16. geworden. Der zur Zeit Führende
Fridaus Kabirov auf Kamaz würde im Gesamtklassement der Rennautos zur Zeit an 10. (!!!) Stelle liegen.
Soviel
vom Restday. Morgen wird es mit den Infos extrem spät werden. Wir haben
700km im Service zu absolvieren, fahren ja immer auch an die
Rennstrecke und können den blog erst gegen Abend verschicken. Dann noch
die 4 Stunden Zeitverschiebung….da müsst ihr nachts den Computer
anmachen um uns zu folgen….aber auf jeden Fall kommt gleich noch der
Videoblog des heutigen Tages. Wir geben Gas für euch, versprochen.
Eure Ellen