Die Dakar bietet Spektakuläres in Chile
07.1.2011
Gestern Abend war Zeit, sich ein bisschen im Bivak umzuhören, um mehr über die kleinen Einzelschicksale der Dakarteilnehmer zu erfahren. Es war auf jeden Fall ein durchaus schwieriger Tag. Das zeigt sich sogar in den Ergebnissen in der Spitze. Denn El Matador, Carlos Sainz, der Führende verliert vor dem ersten CP, dem ersten Checkpoint , glatte vier Minuten durch Navigationsfehler. Wir erinnern uns: am Ende der Dakar werden ein, zwei oder drei Minuten über Sieg oder Niederlage entscheiden….Entsprechend die Laune des amtierenden Siegers. Journalisten gegenüber hatte er schon am Vorabend geäussert, lieber nicht als erster losfahren zu wollen, da es der Führende immer schwer hat in einem Terrain, in dem noch keine Spuren gelegt sind. Weiter hinten lächelt man natürlich nur über einen Zeitverlust von Minuten hier geht es eher um Stunden, oder um die Frage, überhaupt das Bivak zu erreichen. Gegen 10 Uhr abends sind genau 52 Autoteilnehmer im Ziel und 72 noch unterwegs. Von den Trucks und Motorrädern ganz zu schweigen.
Das bedeutet natürlich auch, dass die Ergebnisse im Mittelfeld gehörig durcheinander geworfen werden.
Am besten trifft es noch unsere Fahrer Kahle und Errandonea. Matthias fährt zwar bei einem Überholmanöver aus dem Staub heraus in einen Graben und zerstört sich Teile der Frontaufhängung, kommt aber trotzdem als Gesamt 15. ins Ziel, kurz vor Benat, der mit dem 16. Rang unser bestes Tagesergebnis einfährt.
Ein Loch oder ein Graben wird verschiedenen Teilnehmern zum Verhängnis, mit kleinen oder grösseren Folgen. Chicherit im Mini hängt nur kurz fest und wird von einem Teamkollegen im BMW schnell geborgen. Stephan Schott, der zweite deutsche Teilnehmer bei den Autos, fährt sich das komplette linke Vorderrad ab. Sein Beifahrer Holm Schmidt, der 2005 bei meiner ersten Dakar noch neben mir gesessen hat, braucht zweineinhalb Stunden für die Reparatur, inklusive Ersatzteilzulieferung vom Servicerenntruck, der im Übrigen von Ex Mitsubishi Werksfahrerin Andrea Meyer gesteuert wird. Sie darf halten und mit ihren Mechanikerbeifahrern auch helfen, da zu diesem Zeitpunkt Stephane Peterhansel, der diese stage auch gewinnt, bereits im Ziel ist und sicher keine Hilfe mehr benötigen wird. Sven Quand, Teamchef bei BMW, überlässt beim Thema Renntruck Hilfe eh nichts dem Zufall und hat gleich auch noch einen Renn-Kamaz angemietet. Die Dauersieger bei den LKW´s sind erfahrungsgemäss schneller als sehr viele Rennautos und darüberhinaus enorm zuverlässig.
Peterhansel rückt mit seinem Tagessieg dem Führenden Sainz wieder bis auf 2:30 Minuten in den Nacken. Das Führungstrio komplettiert wie gehabt Al Attiyah, obwohl der VW kurzfristig auf der Seite liegt (ich hoffe die Info stimmt….habe mit seinem Beifahrer Timo Gottschalk gesprochen, kann sich aber auch auf Mark Miller bezogen haben…)
Bei einem weiteren Frontrunner geht ein Unfall nicht so glimpflich aus. BMW Pilot Novitsky bricht sich die Hand. Dakar vorbei. Auch Alfie Cox, mit seinem deutschen Beifahrer Jürgen Schröder hat Pech. Nach super Ergebnissen an den ersten Tagen, trifft er auf dieser Etappe einen Stein so unglücklich, dass sein hinteres Differential zu Bruch geht. Für die beiden wird es eine sehr, sehr späte Zielankunft.
Lucio Alvarez ist die Speerspitze bei den Subarus. Er etabliert sich in den Top 20 und wird auf dieser schwierigen Etappe 24. Gesamt. Leider sind die beiden anderen Subaru Starter out of race.
Marco Bulacia, der für Subaru Bolivien gestartet ist, fliegt nach Hause, da sein Vater verstorben ist. Unser Beileid gilt ihm und seiner Familie. Sargo Alejandro wird von Getriebeproblemen eingebremst und wird wohl nicht weiterfahren können.
Die heutige Etappe hat es wieder in sich. Dementsprechend wird vom Veranstalter die Freigabe ausgegeben, dass jeder, der einen Tag später bis 18:00 das Ziel erreicht im Rennen bleiben wird. Morgen ist eigentlich Restday in Arica, im äussersten Norden Chiles, aber im Ernstfall kann dieser Tag eben auch als Renntag genutzt werden.
Wir werden in unserm Forester Arica sicher heute erreichen…J
Bis später
Eure Ellen